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Kirchenfenster

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Heinrich Heine schrieb in seinen „Englischen Fragmenten“ 1828: „Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib. Er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er wirft sich ihr zu Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen. Er schlägt sich für sie auf Tod und Leben. Er begeht für sie tausend Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine Großmutter.“ Freiheit und Bindung: als zutiefst geistliches Thema begegnet es uns bereits auf den ersten Seiten der Bibel: Freiheit für Gott oder Freiheit von Gott. Bindung an Gott oder Bindung an uns selbst. Zwischen diesen Polen spielt Menschheitsgeschichte. Manch einer fragt sich heute angesichts einer immer unübersichtlicher werdenden Welt und nicht enden wollender gegenseitigen Schuldzuweisungen: Wo finden wir unseren Weg zwischen diesen Polen? Ob wir überhaupt noch auf einem Weg sind – oder gar in einer Sackgasse, das ist unsicher. Sind wir aus Ägypten ausgezogen um uns in der Wüste zu verirren und bauen nun aus lauter Ratlosigkeit ein goldenes Kalb nach dem anderen? Der biblische Bericht davon ist Geschichte und Urgeschichte zugleich - ein Klassiker von Freiheit und Bindung. Christen und auch Kirche stehen immer wieder in der Gefahr, das Ziel einer Wüstenwanderung aus dem Blick zu verlieren und in Zeitgeistgesänge einzustimmen, obwohl ihnen doch das ewige Wort Gottes zugänglich sein sollte. Wenn wir nun auf unsere Erntedankfeste, den Reformationstag und den Buß- und Bettag zugehen, dann wird uns Gottes Wort in aller Klarheit begegnen. Es ist also Orientierung für Freiheit und Bindung da! Aber mit dieser Orientierung eben auch Gottes Zumutung. Warum? Weil Gott der ist, der einen Irrtum, Irrtum nennt. Gott weiß: Mit der Zunahme an Selbstgesprächen steigt das Risiko des Irrtums erheblich. Beratungsresistent nennt man das. Wenn Gott uns beraten will und wir sind dagegen resistent, dann sind wir lebensuntüchtig. Gott will aber, dass wir leben. Ja, er hat ewiges Leben. Und deshalb schenkt er uns Freiheit und möchte, dass wir uns an ihn binden. Das ist nicht nur ein großes Thema, sondern auch ein ganz persönliches: „Täglich umgeben mich Worte und Stimmen, aber ich höre gar nicht mehr hin; denn deine Stimme höre ich nicht mehr heraus. Wenn ich nichts hören kann, hilf mir dich rufen; hilf mir dich hören, wenn du mich rufst; hilf mir gehorchen, wenn du mich berufen willst. Dein Wort der Wahrheit ist unsre Bewahrung; aus deinem Leben leben wir auch; und wir erkennen erst in deinem Licht das Licht.“ (EG 277)*

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich