Herzlich Willkommen

 

Kirchenfenster

Liebe Leser unseres Kirchenfensters,

wussten wir, was wir hatten? Als wir am 15. März 2020 Gottesdienste in Markranstädt und Lindennaundorf feierten, ahnten wir nicht, was es bedeuten würde, dass Bund und Freistaat Sachsen das Zentrum der Gemeinde untersagen. Sind angesichts von Pandemie, Existenzängsten, Sterben und Tod Gottesdienste relevant? Ja, denn sie sind weder frommer Zeitvertreib noch Luxus. Sondern viele haben besonders am Osterwochenende erfahren: Selbstverständlich Geglaubtes fehlt schmerzlich. Mit einem Schlag war unsere Kirchgemeinde weder hörbar noch sichtbar. Taufe und Beerdigungen, Telefonate mit den Pfarrämtern, Skype Sitzungen des Kirchenvorstandes - ja. Aber: Kindertagesstätte, St. Martin Lädchen – geschlossen, Kinder-, Konfirmanden- Jugend- und Erwachsenenarbeit, Posaunenchor, Kantorei, Konzerte - wie nie gewesen. Einzig das Geläut war uns noch geblieben – ein Platzhalter, der in noch nie dagewesener Weise auf etwas verwies, was fehlte: Das Wort Gottes – gesungen, gehört, gesagt, in gemeinsamer Stille aufmerksam bedacht. Haben wir einen Hinweis erhalten? Ja, es stärkt wirklich, beieinander zu sein, Abstand zu gewinnen – entweder von alltäglichem Stress, Sorgen oder dem Alleinsein - gemeinsam zu hören, welche Wege uns aus der Perspektive des Wortes Gottes eröffnet werden, Zuspruch durch Fürbitte und Segen zu spüren. Wie konnte all das dennoch erfahren werden? Wie konnten wir Gemeinschaft finden, ohne miteinander an einem Ort zu sein? Plötzlich war das, was für viele Jugendliche alltägliche Normalität ist, ein Schatz auch für unsere Gemeinde. Natürlich kann man schon immer Fernsehgottesdienste mitfeiern. Aber den Gottesdienst der eigenen Gemeinde auf einem rasch angemeldeten YouTube-Kanal zu erleben, das war eine neue Lösung. Durch erstaunliche Spenden an Kraft, Zeit und Geld und dank der Fertigkeiten von Mitarbeitern standen erstmalig Andachten unserer Kirchgemeinde im Netz. Dass die Andachten über Sticks die Pflegeheime erreichten, durfte natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele ältere Gemeindemitglieder keinen Zugang zu YouTube haben. Hier ist Bedarf an Ideen und Engagement! Und es bleibt eine Aufgabe für die nahe Zukunft, darüber zu entscheiden, ob all das eine Notlösung gewesen ist, oder ob wir eine Chance entdecken, die weiterhin ihre volle Berechtigung hat. Denn auch durch die Veröffentlichung in den „Markranstädter Nachtschichten“ wurde nun Verkündigung, Gebet und Segen auch von Menschen wahrgenommen, die den Gang zum Gottesdienst für sich eher als ungewohnt bezeichnen würden. Haben wir einen Hinweis erhalten? Ich denke, ja.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich